Im oberjurassischen „Solnhofener Archipel“ – den Plattenkalkvorkommen der südlichen Frankenalb – ist das Meeresleben in großer Vielfalt überliefert. Unter den vielen marinen Arten sollten Reptilien wegen ihrer höheren Stellung in der Nahrungskette selten sein. Dennoch ist die Seltenheit der Sauropterygier (Plesiosaurier, Pliosaurier) bemerkenswert. Es gab einen großen historischen Zahnfund, der als verschollen gilt, und wir hatten das Glück, einige Zähne mit aufgelöster Wurzel zu besprechen, die also von lebenden Individuen stammen. Keine Spur eines langhalsigen Plesiosauriers, und nichts blieb von einem persönlichen Hinweis, den ich über einen Sammler mit einigen Wirbeln oder Ähnlichem gehört hatte. Die Zähne dürften alle zu Pliosaurus gehören.
Inzwischen wurde mir ein einzelner größerer Knochen gezeigt, vermutlich ebenfalls Pliosaurus. Und dann war da jener Sammler, der zwei Bruchstücke von etwas vorlegte, das einmal ein Oberarm- oder Oberschenkelknochen gewesen war. Unsere Erörterung führte zu einem Pliosaurus-Jungtier als wahrscheinlichster Einordnung, wird derzeit aber noch einmal geprüft. Wie dem auch sei, wir haben die Gelegenheit genutzt, ein Modell in passender Größe zu bauen, nachdem der regionale Naturpark nach einem Selfie-Punkt gefragt hatte. Ein großer Saurier und auf echten Funden beruhend – das schien die beste Lösung und ist repräsentativer als jeder winzige, landbewohnende Solnhofener Theropode.
Anhand der Zahnfunde schätzen wir ausgewachsene Pliosaurier auf etwa 8 Meter, was plausibel, aber kaum genau ist. Da ein kreidezeitlicher Sauropterygier trächtig mit einem einzigen, übergroßen Jungtier gefunden wurde, ist es möglich, dass junge Pliosaurus nicht viel kleiner als 2 oder 3 Meter waren. Selbst als Neugeborene waren sie kräftiger und furchteinflößender als jedes heute lebende Krokodil!



