Es ist leicht nachzuvollziehen, dass für viele Menschen jeder urzeitliche Vierbeiner Teil einer unbestimmten Masse urtümlicher und schräger Geschöpfe ist. Die Verwandtschaft zu heutigen Vertretern ist in aller Regel erklärungsbedürftig. Auch den Freifahrtschein der Dinosaurier haben sie nicht, weil Gigantismus und Coolness fehlen. Volkstümliche Namen gibt es fast nie, nicht einmal für ganze Familien und Entwicklungslinien. Im Deutschen hat sich der Begriff „Ursaurier“ eingebürgert: irgendein Landwirbeltier aus der Zeit vor den Dinosauriern.
Alle vier hier gezeigten Arten stammen aus dem Perm. Die beiden links stehen für das Unterperm, eigentlich schon für das Ende des Karbons. Oben links das vielleicht bekannteste Landwirbeltier des gesamten Paläozoikums: Dimetrodon. Solche Tiere, die sogenannten Pelycosaurier, gab es auch ohne das hohe Rückensegel mit je einem Knochenstab pro Wirbel. Sie sehen noch immer wie pummelige Echsen ohne Hals aus, machen aber plausibler, dass sich aus solchen Formen später die Säugetiere entwickelten. Dimetrodon war etwa zwischen 1,5 und 3,5 Meter lang und damit in den meisten seiner Ökosysteme ein Spitzenprädator. Die breite Diskussion um Bedeutung und Funktion des Rückensegels verdient einen besseren Ort als diese Bildunterschrift.
Machen wir oben rechts weiter. Denn diese Therapsiden – früher als „säugetierähnliche Reptilien“ zusammengefasst – sind genau die nächste Entwicklungsstufe nach den Pelycosauriern. Ihr Gang ist deutlich aufrechter, ihr Gebiss stärker gegliedert, beides klare Fortschritte auf dem Weg zu den Säugetieren. Dennoch hätten wir sie ohne Kenntnis ihrer Verwandtschaft fälschlich zu den Reptilien gestellt, denn Fell und äußere Ohren fehlen ihnen noch. Zu sehen ist Archaeosyodon, ein fleischfressender Dinocephale („Schreckensköpfe“) aus dem Mittelperm. Zu dieser Zeit war von den Pelycosauriern nicht mehr viel übrig. Die Therapsiden hatten unter den großen Landtieren weltweit die Vorherrschaft errungen.
Das heißt nicht, dass es den Reptilien evolutionär schlecht ging. Sie brachten viele Arten hervor, und im Mittelperm sogar die erste Aufspaltung der modernen Reptilien, sodass die Richtung der Echsen einerseits und die der Krokodile und Dinosaurier andererseits bereits eingeschlagen war. Die überwiegende Mehrzahl der Reptilien war jedoch kleiner als die Mehrheit der Therapsiden. Eine wichtige Ausnahme waren die Pareiasaurier des Oberperms. Unten rechts steht einer der größten Vertreter: Scutosaurus, 3 Meter lang und über eine Tonne schwer. Sie waren die größten Pflanzenfresser ihrer Zeit. Dass sie aus einer ursprünglicheren Linie hervorgingen und nicht in das Spektrum moderner Reptilien fallen, zeigt die enorme Vielfalt dieser alten Landwirbeltiere.
Unten links sind wir mit Eryops zurück im Unterperm, einer Amphibie aus der weit gefassten Gruppe der Temnospondyli. Ausgewachsen könnte man solche Tiere mit Alligatoren verwechseln, und ihre ökologische Rolle war gewiss ähnlich. Der große Unterschied zu Reptilien und Säugetiervorfahren jener Zeit war, dass Amphibien sehr kleine Eier und im Wasser lebende Jungtiere hervorbrachten. Das macht die Wachstumsleistung umso erstaunlicher, denn Eryops wuchs von einer Larve im Millimeterbereich auf über 2 Meter. Ihre Zahl muss entsprechend hoch gewesen sein, um die Überlebenschancen unter vielen hungrigen Wirbellosen, Fischen, Amphibien und Pelycosauriern zu sichern. Nicht zuletzt in dieser Hinsicht waren große Amphibien irgendwie Fische mit Beinen.


