Der berühmte Urvogel Archaeopteryx, vielleicht das bedeutendste und gewiss eines der bekanntesten Fossilien überhaupt, stammt aus der Inselwelt des Oberjura, heute im Herzen Bayerns. Es ist längst nicht mehr Archaeopteryx allein, und auch nicht nur eine Art dieser Gattung. Trotz ihrer Seltenheit gibt es aus den Solnhofener Kalken Organismen, die weit seltener sind. Archaeopteryx hat zudem seine Alleinstellung als Urvogel und damit als Kronzeuge der Evolution verloren, sodass die frühe Phase der Vogellinie inzwischen recht genau bekannt ist. Neuere Forschung hat sogar gezeigt, dass gefiederte Raubdinosaurier die Flugfähigkeit drei-, vier- oder gar fünfmal entwickelten. Nach allen Analysen steht Archaeopteryx jedoch an der Wurzel der einzigen Linie, die bis heute in Gestalt der modernen Vögel fortbesteht – was diese Gattung als den wahren Urvogel und als eine Art Sinnbild der Paläontologie rettet.
Links im Bild ist Archaeopteryx im Flug zu sehen. Dieser Urvogel war gewiss kein eleganter Ozeanflieger, sondern wurde vermutlich von Stürmen vom Festland zum Archipel getrieben. Dennoch hatte er insgesamt gute Flugeigenschaften. Das zeigen die ausgeprägt asymmetrischen Schwungfedern, die langen Federn am Oberarm (nach der neuesten Studie ließen sie sich sogar etwas länger rekonstruieren), der große Muskelansatz am Oberarm und die rekonstruierte Anatomie der Schulter. Die Steuerung der Sehnen bei der Flügelbewegung unterschied sich noch stark von der moderner Vögel, sodass das kleine Brustbein der Urvögel kein Argument für schlechte Flugeigenschaften mehr ist. Zugegeben, Archaeopteryx war kein Falke, aber ebenso wenig ein plumpes Haushuhn.
Alcmonavis ist unten am Boden laufend dargestellt. Das Bild lässt sich kaum als Rekonstruktion begreifen, allenfalls als Sinnbild. Denn viel mehr als ein Flügelskelett ist nicht bekannt. Die erste Analyse ergab eine stammesgeschichtliche Stellung knapp oberhalb des Seitenzweigs von Archaeopteryx, also näher am modernen Vogel und mit verbesserten Flugeigenschaften. Spätere Analysen wichen hinsichtlich der Verwandtschaft ab, doch die Gattung Alcmonavis liegt zweifellos im Umfeld des Vogelursprungs. Als Erfindung und teilweise nach den letzten langschwänzigen Urvögeln der Kreidezeit ist das Gefieder der Hinterbeine reduziert, und der große Satz Steuerfedern ist entlang der Schwanzwirbelsäule in zwei Abteilungen geteilt.
Rechts sehen wir Ostromia flattern. Die Neubewertung eines historischen Urvogelfunds ergab, dass er zu einer eigenständigen Familie gehört, den Anchiornithiden. Diese Tiere gelten gewöhnlich als etwas ursprünglichere Linie als die Archaeopterygiden. Offenbar lassen sich nicht alle von ihnen durchweg als Flieger betrachten, weshalb es beim sehr unvollständig bekannten Ostromia bloß eine Annahme bleibt. Die schwungfederartigen Federn bilden deutliche flügelförmige Fächer bis hinab zum Mittelfuß. Die Färbung ist von der namengebenden Gattung der Familie Anchiornithidae übernommen: Ein Schwarz-Weiß-Muster samt rötlichem Kopfschopf ist dort nachgewiesen!


