Diese beiden Raubtiere entstanden für einen Zyklus eiszeitlicher Säugetiere und sollten zeigen: Damals gab es weitgehend dieselben Tiere, nur irgendwie größer und stämmiger. Stichwort Bergmannsche und Allensche Regel. Die beiden hier sind das Beste an Wildtierillustration und ganz sicher keine bloßen Reproduktionen zugrunde liegender Referenzfotos. Sie sehen einen Wolf, Canis lupus, und eine Tüpfelhyäne, Crocuta crocuta.

Beide Arten sind bis zu einem gewissen Grad die Herausforderer der mit ihnen lebenden Spitzenprädatoren. Es wäre falsch, den Wolf nicht als Topräuber zu behandeln. Im natürlichen Umfeld der eurasischen gemäßigten Zone ist der Luchs zu verstreut, und große Pantherkatzen sind nicht durchgängig vertreten. Die weit größeren Bären sind keine Hyperkarnivoren, der Höhlenbär ist sogar ein Pflanzenfresser. Wölfe dagegen sind wohl der ideale und weit verbreitete Spitzenprädator. Trotzdem standen sie mitunter nur an zweiter Stelle neben Braunbären und Pantherkatzen, in der Kaltzeit sogar neben der Säbelzahnkatze Homotherium. Dass vor einiger Zeit ein Bär und ein Wolf offenbar in enger Zusammenarbeit beobachtet wurden, ist sicher eine Ausnahme, aber ebenso sicher ein Beleg ihrer Intelligenz und Anpassungsfähigkeit.

Spätestens seit „Der König der Löwen“ kennt die Welt den Krieg zwischen Hyänen und Löwen. Weniger bekannt ist ihre große ökologische Überschneidung. Hyänen sind keine bloßen Schmarotzer, die den Löwen das frische Aas wegnehmen (die Männchen tun genau dasselbe, nur irgendwie legal). Hyänen können aktiv jagen. Manchmal sogar Löwen. Umgekehrt fressen auch Löwen frisches Aas, wenn auch weit weniger tolerant (beim nah verwandten Leoparden ist das nahezu ausgeschlossen). Hinzu kommt, dass Hyänen und Löwen einander bekämpfen, indem sie bei Gelegenheit den Nachwuchs des Gegners töten. All das zeigt, dass sie zumindest weitgehend um denselben Platz im Ökosystem konkurrieren.

Offen bleibt, inwieweit sich diese Beziehung auf andere Ökosysteme als die afrikanischen Savannen des Holozäns übertragen lässt. Als Spitzenprädatoren waren sie stets besonders störungsanfällig und wurden in Nordafrika, Teilen Europas, auf der Arabischen Halbinsel und bis nach Indien leider sehr früh dezimiert oder ganz ausgelöscht. Nicht überall trafen dieselben Arten aufeinander. Man muss auch fragen, wann und wo die Löwen das hochsoziale Rudelleben in offenen Landschaften entwickelten – ein nahezu einzigartiges Verhalten innerhalb der gesamten bekannten Familie der Katzen (Felidae); bei der Säbelzahnkatze Smilodon gibt es einige Hinweise auf soziale Gruppen, ansatzweise auch bei Geparden. Selbst Hundeartige jenseits von Wolf und Afrikanischem Wildhund sind über die Jungenaufzucht hinaus kaum sozial. Ebenso ist die Tüpfelhyäne eine Ausnahme unter den sonst einzelgängerischen Hyänen, und das Rudelleben der Höhlenhyäne im eiszeitlichen Europa ist keineswegs erwiesen (der Löwe von Siegsdorf könnte einem Hyänenclan zum Opfer gefallen sein).

Vor einigen Zehntausend Jahren trafen Wölfe und Hyänen in Mitteleuropa aufeinander. Höhlenfunde mit Bissspuren an Knochen zeigen, dass die Hyäne den Wolf gekostet hat. Gut möglich, dass die Herausforderungen durch manche Raubtiere in jede denkbare Richtung gingen. Heute, im Holozän, sind Wölfe und Hyänen sauber getrennt. Vielleicht besser für beide.