Die oberjurassischen Kalke der Frankenalb, weithin als Überlieferung des Solnhofener Archipels bekannt, gehören zu den vielfältigsten und detailreichsten Gebieten für die Erforschung der Flugsaurier. Sehr lange ließ sich jedes der vielen Fossilien entweder den ursprünglicheren, langschwänzigen „Rhamphorhynchoiden“ oder den abgeleiteteren, kurzschwänzigen Pterodactyloiden zuordnen. Da die Pterodactylen aus keinen älteren Schichten als dem Oberjura bekannt waren, aber die gesamte Kreidezeit hindurch blühten – als es langschwänzige Flugsaurier nicht mehr gab –, muss dieser Übergang im Mitteljura stattgefunden haben. Wie der Ursprung der Flugsaurier überhaupt blieb auch dieser wichtigste Schritt ihrer Stammesgeschichte unbekannt.

Ab den späten 2000er Jahren wurden einige Übergangsformen bekannt, zuerst aus China, dann auch aus Bayern. Heute haben wir ein recht geschlossenes Bild vom Übergang zu den Pterodactyloiden (während der morphologische Übergang zu den ersten Flugsauriern der Trias nach wie vor das größte Rätsel der Landwirbeltier-Evolution darstellt!). Aus China und inzwischen auch aus Europa erhellen die Darwinoptera die Streckung des Schädels und die beginnende Verkürzung der Schwänze. Die Schritte unmittelbar vor der Entstehung echter Pterodactylen sind von einigen „Solnhofener“ Exemplaren bekannt. Während das erste, der sogenannte „Rhamphodactylus“, gerade für die Publikation vorbereitet wird, konnten wir zwei weitere beschreiben, um zuerst die vollständigsten anatomischen Befunde zu dokumentieren. Es sind Makrodactylus (Skelettdiagramm) und Propterodactylus (Fundlagezeichnung, Schädelrekonstruktion und Lebendrekonstruktion).

Die gemeinsamen Merkmale solcher Beinahe-Pterodactylen sind eine nur ansatzweise verlängerte Mittelhand, eher kurze Halswirbel, ein bereits kurzer Schwanz, jedoch mit ursprünglicher Verzahnung der Wirbel, sowie eine noch vorhandene fünfte Zehe. Aus der Vogelperspektive sieht das alles perfekt aus, wie Bindeglieder auf einer geraden Linie. Selbst die Schädel ähneln denen junger Pterodactylus. Bei genauerem Hinsehen weisen leichte Unterschiede in Proportionen und Bezahnung auf eine Radiation eines bislang unbekannten Flugsauriertyps hin, nicht bloß auf Schritte hin zu den Pterodactylen. Zur Zeit von Makrodactylus und Propterodactylus lag der Übergang zu den Pterodactyloiden bereits mindestens 15 Millionen Jahre zurück. Diese Bindeglieder können den morphologischen Weg von ihren ursprünglicheren zu ihren abgeleiteteren Verwandten deshalb nur mittelbar abbilden. Dennoch wirken sie so intermediär, als hätte eine Paläontologin sie entworfen (oder erträumt).